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Weite Rebzeilen im Frühjahrsaustrieb, dahinter ein Dorf mit Burg bzw. Turm auf dem Hügel und Bergkette

Côtes de Thongue, Frankreich

Sieben Rebsorten, ein Kreuz am Weg

  • Familienbetrieb der Boyers
  • Pflanzenschutz mit ozonisiertem Wasser

Domaine La Croix Belle

Karte der Umgebung mit Béziers, Montpellier; der hervorgehobene Punkt markiert Puissalicon, den Sitz von Domaine La Croix Belle

Auf der Karte

Wo das liegt

Nach Puissalicon in Südfrankreich fährt man von Béziers 13 Kilometer nach Norden, von Montpellier gut 50 Kilometer. Der Landstrich ringsum, im Département Hérault, heißt Côtes de Thongue.

Von diesem Gut gibt es wenig Werbetext und viele ungewöhnliche Details. Statt Chemie im Weinberg: ozonisiertes Wasser, das sich hinterher in Sauerstoff auflöst. Statt einer Kläranlage: ein Bambushain, durch den seit über zwanzig Jahren die Kellerabwässer laufen.

Geführt wird der Betrieb von der Familie Boyer, mittlerweile mit zwei Söhnen in der nächsten Generation. Er liegt in den Côtes de Thongue im Hérault, einem Landstrich, der nicht zu den berühmten Appellationen zählt und deshalb bei den Rebsorten freie Hand lässt.
Familienbetrieb der Boyers
Pflanzenschutz mit ozonisiertem Wasser
Côtes de Thongue, Frankreich

Die Familie Boyer

Wer dahintersteht

Seit 1977 führt Jacques Boyer den Betrieb, unterstützt von seiner Frau Françoise. Die Familie ist hier seit mehreren Generationen Winzer, vom Vater auf den Sohn. Die nächste Generation bilden die Söhne Emmanuel und Benoît, dahinter stehen bereits sieben Enkelkinder. Den eigenen Anspruch formuliert das Haus als den eines Verwalters auf Zeit: jemand, der ein Erbe hält und trotzdem daran weiterarbeitet.

Den Namen hat das Gut von einem Gegenstand. Am Zugang steht ein Kreuz, und es war keine Dekoration. Bis in die jüngere Vergangenheit zogen an bestimmten Tagen Prozessionen dorthin, und man schmückte es mit Blumen. „La Croix" ist das Kreuz, „Belle" heißt schön. Der Name kam von den Leuten, die davorstanden.

Im Weinberg und beim Traubenempfang

Warum es hier anders schmeckt

Zum Pflanzenschutz setzt das Gut im Weinberg ozonisiertes Wasser ein. Wasser, das mit Ozon angereichert wurde, wirkt auf der Rebe gegen Krankheitserreger und zerfällt danach wieder zu gewöhnlichem Sauerstoff. Das Gut beschreibt das als ein Verfahren, das Boden und Pflanze schont.

Beim Traubenempfang werden die Beeren nach ihrer Dichte sortiert. Die Dichte einer Beere hängt an ihrem Zucker, der Zucker an der Reife. So lässt sich trennen, was zwar gleichzeitig geerntet, aber nicht gleichzeitig reif wurde. Weiter geht nur, was die richtige Reife hat. So bleiben die Jahrgänge, sagt das Gut, echt und elegant.

Das sind keine Zertifikate, sondern Verfahren, die täglich Arbeit machen.

Ein Haus, das sich selbst kühlt

Wie der Wein entsteht

Der Keller liegt teilweise unter der Erde, und seine Wände bestehen aus massiven Steinblöcken aus dem Nachbardépartement Gard. Beides zusammen tut, wofür anderswo eine Klimaanlage läuft. Die Wärme von draußen kommt schlicht nicht durch.

Ein Kanal führt außerdem Außenluft durch das Erdreich, bevor sie ins Gebäude gelangt, ein Verfahren, das man kanadischen Brunnen nennt. Der Boden ist im Sommer kühler als die Luft darüber, also kommt die Luft gekühlt an, ohne Kältemittel und ohne Kompressor. So wenig Energie wie möglich, sagt das Gut.

Am anderen Ende des Kellers steht ein Bambushain. Durch ihn läuft seit über 20 Jahren das Abwasser der Weinbereitung, das gesetzlich behandelt werden muss. Der Hain reinigt es an Ort und Stelle. Der geschnittene Bambus wird weiterverwendet.

Sieben Rebsorten in einer Flasche

Was das Haus sonst ausmacht

Seit 1977 gibt es hier einen Wein, der die Zahl Sieben im Namen trägt. La Croix Belle N°7, als Rotwein, Weißwein und Rosé. Die Sieben ist wörtlich gemeint. Sieben Rebsorten gehen hinein. Eine solche Mischung aus mehreren Trauben, die der Winzer bewusst zusammensetzt, nennt man Cuvée.

Das Gut beschreibt den Wein als sieben Stimmen, die zusammenklingen. Die Trauben dafür stammen aus einzeln ausgewählten Parzellen.

Beim Öffnen der Flasche schmeckt man keine sieben Sorten heraus. Das ist auch nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass keine einzelne dominiert.

Ein Kanal im Boden, ein Hain hinter dem Haus, Steine aus der Nachbarregion: Hier ist Umweltschutz keine Anschaffung, sondern Bauweise.

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